Hausbesetzung in der Schlesischen Straße 25 im Wrangelkiez

Am 30.05 – pünktlich zur Veröffentlichung des Berliner Mietspiegels 2011 – wurde das Haus in der Schlesischen Straße 25 besetzt. Leider wurde die Besetzung bereits nach einigen Stunden durch die Polizei beendet. Diese ging mit bekannter Härte vor und räumte das Haus nachdem die GSW Strafanzeige wegen Hausfriedensbruch gestellt hatte. Wir erklären unsere volle Solidarität mit den Besetzerinnen und Besetzern und unterstützen ihre Forderungen:

Die GSW hat das Haus kostenlos bekommen – sie soll es kostenlos zurückgeben!
Für gute und billige Wohnungen!
Für einen Umsonstladen und selbstorganisierten Kieztreffpunkt!

Die Häuser denen, die drin wohnen!

Das Haus in der Schlesischen Straße 25 wurde 1993 gemeinsam mit 23 weiteren Häusern vom Bezirksamt Kreuzberg an die damals noch landeseigene Wohnungsbaugesellschaft GSW übergeben – und zwar kostenlos. Die GSW wäre eigentlich bereits damals rechtlich verpflichtet gewesen, die Wohnungen instandzusetzen. Nichts dergleichen geschah jedoch, im Gegenteil die GSW ließ das Haus in der Schlesischen Straße regelrecht verrotten. 2008 kündigte die inzwischen privatisierte Wohnungsbaugesellschaft Modernisierungsmaßnahmen an, gleichzeitig sollten die Mieten massiv erhöht werden. Ihr Ziel erreichten die Miethaie der GSW schnell (Entmietungsstrategie: leere Häuser sind lukrativer auf dem Markt): die meisten Mieter zogen aus (nur zwei Mietparteien blieben), ohne dass teure Modernisierungsmaßnahmen erfolgten. Bereits 2004 wurde die gesamte GSW an die Finanzinvestoren Cerberus und Goldman Sachs für läppische 405 Millionen Euro verkauft und damit auch das Haus in der Schlesischen Straße 25 ebenso wie die oben erwähnten 23 weiteren Häuser. Das Land Berlin bekam keinen Cent zurück. Dass heißt, die Investoren erhielten ehemals landeseigene Wohnungen kostenlos und fahren jetzt mit diesen Häusern horrende Gewinne ein.

Im Wrangelkiez (und nicht nur dort) droht vielen Menschen, die nicht genügend Geld haben, die in Armut leben, für einen Hungerlohn arbeiten müssen o.Ä. die Verdrängung aus ihrem Viertel. Die heutige Veröffentlichung des Berliner Mietspiegels zeigt es deutlich: Wohnen in Berlin wird immer teurer. Insbesondere für Menschen mit geringem Einkommen sind die Wohnkosten eine kaum mehr zu ertragende Belastung. Mietsteigerungen von mehr als 17% in sogenannten Halbstandardwohnungen seit 2009 bewirken die Verdrängung von Ärmeren aus ihrem Wohnumfeld. Denn gerade in diesen Wohnungen leben hauptsächlich Menschen mit gereingerm Einkommen. Dabei dokumentiert der Berliner Mietspiegel 2011 nicht nur die verschlechterte Situation auf dem Wohnungsmarkt. Auch trägt er in Zukunft aktiv dazu bei, den Zugang zu bezahlbaren Wohnraum weiter zu erschweren. Die politische Verantwortung für diese Entwicklung trägt der „rot-rote“ Senat, er hat diese profitorientierte Wohnungspolitik in erster Linie zu verantworten.

Presse:
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