10 Jahre Genua: Gedenken an Carlo Giuliani

Vor 10 Jahren, am 19., 20. und 21. Juli 2001, protestierten Hunderttausende in der italienischen Hafenstadt Genua gegen den G8-Gipfel. Durch die militanten Massenprotesten bei vorausgegangenen Gipfeln in Göteborg, Prag(1), Nizza und Seattle mobilisiert, hatten sich zehntausende Menschen aus ganz Europa auf den Weg in die norditalienische Hafenstadt gemacht um als Teil einer weltweiten Bewegung gegen die kapitalistische Globalisierung gegen das militärisch abgeschirmte Treffen der mächtigsten Industriestaaten zu protestieren.

Kein Vergessen!

Nachdem die schwedische Polizei beim EU-Gipfel im Juni in Göteborg die Demonstration mit scharfer Munition angegriffen und mehrere Personen schwer verletzt hatte, befürchteten viele Aktivist_innen das auch die italienischen Behörden mit brutaler staatlicher Gewalt auf die zu erwartenden Massenproteste reagieren würde.

Schon im Vorfeld des Gipfels hatte die Regierung Berlusconi den internationalen Medien stolz die Leichenkühlkapazitäten der Hafenstadt vorgeführt und damit signalisiert das der italienische Staat auf „alles vorbereitet“ ist und sich nicht von „Reise-Chaoten“ auf der Nase herumspringen lässt. Mit diesem Freibrief und unter der schützenden Hand der italienischen Regierung richtete die Polizei von Genua in den folgenden Tagen ein Blutbad an Globalisierungkritikern an, das selbst radikale Kritiker der Staatsgewalt in seinem Ausmaß überraschte. Bei der „Schlacht von Genua“, die als eine der heftigsten militanten Auseinandersetzung in der jüngeren europäischen Geschichte gilt, wurden Hunderte verletzt und verhaftet. Dutzende wurden tagelang auf verschiedenen Wachen mißhandelt und gefoltert. Unser Genosse Carlo Guiliani hatte den höchsten Preis zu zahlen. Er wurde am 20.Juli 2001 am Rande einer Demonstration gegen den G8-Gipfel von einem italienischen Polizisten aus nächster Nähe in den Kopf geschossen. Auch Zehn Jahre später haben wir Carlo Giuliani und die Ereignisse von Genua nicht vergessen. Um an jenen denkwürdigen Tag zu erinnern, wurde am ersten Mai diesen Jahres einen Park in Kreuzberg nach ihm benannt [Info]. Am 16.Juli soll es in Berlin-Kreuzberg eine Demonstration in Gedenken an Carlo Guilania geben. Diese Demonstration soll als Kritik an den repressiven Spielregeln der polizeilichen Demokratie nicht angemeldet werden. [Infos]

DEMO | 16.Juli | 22 Uhr | Lausitzer Platz