Roter Stammtisch der DKP Friedrichhain-Kreuzberg

Donnerstag, 02. August um 19:30 Uhr im Café Commune, Reichenberger Straße 157 (U1 + U8 Kottbusser Tor)

Staatlich geschürter Rassismus: 20 Jahre nach den Pogromen in Rostock-Lichtenhagen

Film „The truth lies in Rostock/Die Wahrheit liegt (lügt) in Rostock“ + Diskussion

August 1992 im Rostocker Stadtteil Lichtenhagen, einer Plattenbausiedlung in Mecklenburg-Vorpommern: 400 Asylsuchende werden gezwungen, vor der überfüllten Zentralen Aufnahmestelle für Asylbewerber (kurz: ZASt) unter freiem Himmel zu campieren. Die Stadt Rostock stellte den vornehmlich aus Rumänien stammenden Flüchtlingen keine Unterkünfte mehr zur Verfügung. Auch sanitäre Anlagen wurden ihnen verweigert. Offizielle Begründung: „Wenn wir weitere Unterkünfte zur Verfügung stellen, kommen noch mehr Asylsuchende“, so der damalige Rostocker Innensenator Peter Magdanz (SPD). Die hygienischen Zustände waren innerhalb kürzester Zeit katastrophal. Wie von den politisch Verantwortlichen und der Boulevardpresse provoziert, kam es wie es kommen sollte: Am 22.08. griffen etwa 200 zumeist organisierte Nazis und jugendliche Randalierer – beklatscht von Eltern und Nachbarn – die ZASt mit Steinen und Molotow-Cocktails an. Am Abend des 23.8. versuchten sie, inzwischen auf ca. 500 angewachsen, erneut, die ZASt zu stürmen. Am 24.08. erreichte die Gewalt ihren Höhepunkt: die inzwischen geräumte ZASt sowie ein bewohntes Wohnheim für ehemalige vietnamesische Vertragsarbeiter wurden in Brand gesteckt. Nur knapp konnten die Bewohner den Flammen entkommen. Die Polizei blieb während dieser drei Tage komplett untätig und unternahm nichts, um den rassistischen, mörderischen Mob zu stoppen. Anders sah es aus als eine bundesweite Antifa-Demonstration nach Rostock mobilisierte. Polizeihubschrauber und Hundertschaften der Bereitschaftspolizei waren sofort vor Ort, prügelten die Antifaschisten von der Straße und lösten die Demonstration auf.

Die politische Intention dieses staatlich geschürten Rassismus ist heute unstrittig: Die Tür zur faktischen Abschaffung des Asylrechts im Jahr 1993 wurde aufgestoßen.

Wir wollen im Vorfeld des 20. Jahrestages der Pogrome von Rostock, an diese dramatischen Ereignisse erinnern und über die Hintergründe diskutieren. Weshalb schritt die Polizei damals nicht ein? Welche Weisungen gab es? Welche Rolle spielten die Medien?

Vor unserer Diskussion werden wir den Dokumentarfilm der Videowerkstatt autofocus „The truth lies in Rostock/ Die Wahrheit liegt (lügt) in Rostock “ (dt. Fassung) aus dem Jahr 1993 zeigen.

Als Referenten konnten wir Rainer Wahls gewinnen. Er beteiligte sich im August 1992 an den Antifa-Protesten in Rostock-Lichtenhagen. Er ist heute in verschiedenen sozialen Projekten in Berlin aktiv.