Es bleibt dabei: Wir bleiben alle! Gegen Zwangsräumungen in Kreuzberg

Gleich zwei Mietparteien aus Kreuzberg droht der Rausschmiss aus ihrer Wohnung. Eine fünfköpfige Familie soll es in der Reichenberger Str. 73 treffen, wo der Hausbesitzer und CDUler, Rechtsanwalt Ernst Brenning, bereits seit Jahren Mieter drangsaliert. Brisant auch der Fall der Rentnerin Frau W. in der Manteuffelstr. 89: Seit das ehemals dem Senat gehörende Mietshaus an Zeynel Balki veräußert wurde, machte sich dieser daran, Mieter mit alten Verträgen rauszuschmeißen.

Weil im Kiez viele solidarische Menschen leben, geht die Vermieterwillkür in Kreuzberg nicht so leicht über die Bühne. Tatsächlich konnten in der jüngsten Vergangenheit einige Zwangsräumungen verhindert werden.

Profiteure der Verdrängung

Brenning hat bereits mehrere Mieter aus ihren Wohnungen geekelt. Sein Vorgehen ist dabei immer gleich: Lästige Mieter werden mit Prozessen überzogen, auch wenn der Anlass noch so lapidar ist. Im Fall der Familie ging es um eine völlig legale Mietminderung. Ihr schlechter Anwalt versäumte wichtige Fristen, und Brenning bekam Recht. Er kann juristisch auf die Räumung bestehen – obwohl nie Mietschulden bestanden!

Das Haus Manteuffelstr. 89 wurde 2004 privatisiert. Balki vertrieb nahezu alle Altmieter. Die gleich große Nachbarwohnung kostet jetzt die dreifache Miete, die Frau W. zahlt. Beim Ausbau des Dachgeschosses gab es 2008 Schäden in ihrer Wohnung, woraufhin sie in Absprache mit dem Mieterverein die Miete minderte. Der Anwalt soll die Minderung zu hoch angesetzt haben, was zu Mietschulden, Kündigung und letztlich zum Räumungsurteil führte.

Goldener Beton

Kreuzberg ist ein attraktiver Stadtteil. Davon profitieren Wohnungskonzerne wie Deutsche Wohnen, eine Tochter der Deutschen Bank, und als größter Player auf dem Berliner Immobiliensektor verantwortlich für die jüngsten drastischen Mieterhöhungen in den ehemaligen Sozialwohnungen am Kottbusser Tor. Bei Privatvermietern spielt sich das im Kleinen ab, weil sie entweder maximalen Profit aus ihrer Immobilie erhoffen, oder aber Bankkredite bedienen müssen. Der kapitalistische Wohnungsmarkt läuft über Finanzunternehmen und setzt bei den Mietern die Daumenschrauben an. Wohnungen dienen dazu, maximalen Profit zu machen, und Maximalmiete ist eben nur bei Neuvermietung möglich. Das Mieterwohl ist dabei egal.

Mehr Infos:
Café Reiche
Bündnis Zwangsräumung verhindern!