Der tägliche Zwangsräumungswahnsinn in Berlin

Kommt und solidarisiert euch mit den NachbarInnen am:

    ⁃ 25. März 18:00 bei der Videokundgebung gegen Verdrängung und Zwangsräumung vor die Reichenberger Straße 73,
    ⁃ 29. März 14:30 bei der Lärmdemo ab Kotti mit anschließender Kundgebung ab 16:00 vor die Reichenberger Str. 73!


Ernst Brenning erwirkte mit Hilfe von Versäumnisurteilen gegen zwei Mietparteien (eine fünfköpfige Familie und eine alleinstehende Frau) in der Reichenberger Str. 73 Räumungstitel. Als die ersten Räumungstermine unmittelbar anstanden, erpresste Brenning die Zustimmung der MieterInnen, einmal zur Mieterhöhung und ein andermal zum Verzicht auf die Nutzung rechtlicher Mittel gegen die erhaltene Kündigung.
Das reicht Brenning nicht: der nächste Termine sollte am 27. März sein. Die Familie fand eine Wohnung und zog aus. Ihr Berufungsverfahren läuft noch, aber auch wenn sie gewinnt, kann sie nicht in die Wohnung zurück. Die andere Mieterin soll am 31. März ihre Wohnung übergeben.

Georg Thaler hat Nuriye Cengiz im Herbst 2012 aus ihrer Wohnung vertrieben. Durch einen Umzug kam sie der Zwangsräumungsvollstreckung zuvor. Als Rollstuhlfahrerin war sie auf die ehemals bezirkseigene behindertengerechte Wohnung angewiesen. Daran, dass diese mal privatisiert werden würde, war zum Zeitpunkt ihres Einzuges nicht zu denken. Während die alte Wohnung weiterhin leersteht, trauert Nuriye ihrem sozialem Umfeld nach.

André Franell hat die Familie Gülbol im Februar 2013 unter massivem Polizeiaufgebot aus ihrer Wohnung zwangsräumen lassen. 1000 Menschen solidarisierten sich mit der Familie. Die Familie ist notdürftig bei Verwandten untergekommen und sucht noch immer eine eigene Wohnung.

Birgit Hartig ließ die schwerkranke Rentnerin Rosemarie F. im April 2013 zwangsräumen. Das ärztliche Attest wurde vom Gericht nicht anerkannt. Es war von ihrem behandelnden Arzt und nicht von einem Facharzt ausgestellt worden. Zwei Tage nach der Räumung starb Rosemarie F.
Das sind alles Zwangsräumungen, auch wenn sie nicht immer per Gerichtsvollzieher vollstreckt werden. Nicht alle können es auf ein letztes Kräftemessen ankommen lassen. Krankheit oder kleine Kinder zwingen Menschen vorher dem Druck auszuweichen. Aber ein erzwungener Umzug ist auch eine Zwangsräumung! Denn die Menschen verlassen nicht freiwillig ihre Wohnungen. Bei der verzweifelten Suche nach bezahlbaren Ausweichwohnungen haben manche bedingt mehr Glück und andere weniger.

Wer seine Wohnung verliert, verliert seinen Rückzugsort. Der ist aber die Basis für alles: Gesundheit, soziale Vernetzung, Entspannung, Privatleben, Arbeitsverträge. Die Folgen sind oft Krankheit, zerstörtes Familienleben, Zukunftsängste. Dabei ist es unwesentlich, ob die MieterInnen Fehler gemacht haben oder nicht. Entscheidend ist, ob die VermieterInnen mit der Miethöhe einverstanden sind. Wenn nicht konstruieren sie angebliche „Fehler“ und klagen, bis sie auf gleichgesinnte RichterInnen stoßen oder die MieterInnen erschöpft aufgeben. Dabei ist es egal, ob man Hartz IV, Rente oder ein Gehalt bezieht. Es kann jeden treffen. Niemand braucht sich zu schämen, der/die ihre Wohnung nicht halten konnte. Die immer schwächer werdenden MieterInnen-Rechte schützen immer stärker das Eigentum und immer weniger die Menschen.

Die Reichenberger Str. 73 ist kein Einzelfall, aber ein Paradebeispiel für das skrupellose Vorgehen von VermieterInnen, die nicht genug bekommen können.

Aber wir wehren uns! Wir wollen nicht rum geschubst und verwertet werden! Wir wollen in Ruhe und ohne Psychoterror durch unsere VermieterInnen in unserem Zuhause wohnen können! Wir haben ein Recht selbst zu bestimmen, wo wir wohnen wollen! Wir wollen eine Gesellschaft, in der die Bedürfnisse eines jedes Menschen geachtet werden und nicht nur die der Reichen!

Das können wir nur erreichen, wenn wir uns gemeinsam wehren und kämpfen.
So wie es zum Beispiel gerade die MieterInnen rund um das Kottbusser Tor machen. Sie haben sich in der Mieter_innen-Initiative Kotti&Co zusammengeschlossen und akzeptieren die willkürlichen Mieterhöhungen des Hausbesitzers GSW nicht mehr. Ca 80 Mietparteien haben sich dafür entschieden ihre Miete mit Unterstützung von AnwältInnen selbst zu senken!
Kämpfen wir gemeinsam für unsere Wohnungen!

Café Reiche
Kotti & Co.
Bündnis Zwangsräumung verhindern!
Schüler Flyer