Fette Kröte „Angstraum“

Über Blümchen schwafeln, um von Abholzung, Mietsteigerung und Verdrängung breiter Bevölkerungsteile abzulenken

Seit Jahren tragen die Kreuzberger Grünen Verantwortung für die Yuppisierung des Bezirks. Um Tierbestand und die neue Bepflanzung des Parks sollte es nach dem Willen Hans Panhoffs, Baustadtrat von den Grünen und ökokapitalistischer Hardliner, auf einer Veranstaltung Anfang Februar gehen. Doch seine Parkgestalter kamen nicht dazu, ihr Ablenkungsmanöver en detail auszuführen. Zu groß war der Ärger im Publikum über die neueste Blüte jahrelanger Politik zu Gunsten der Upper Class. Am Donnerstag, den 19. Februar, laden die Grünen ins Jugendhaus CHIP in der Reichenbergerstraße zu einer weiteren Propagandaveranstaltung zur Aufwertung des Görlitzer Parks. Die DKP Friedrichshain-Kreuzberg zur Beteiligung an den Protesten auf!

Neoliberale Stadtaufwertung mittels Verdrängung

Zuvor hatten die vermeintlichen Ökos jenseits der Öffentlichkeit die Vorstellungen einer „Polizeiarchitektin“ umsetzen und das ohnehin recht spärliche Grün des Parks nahezu vollkommen abholzen lassen. Von „Angsträumen“ faselte Panhoff anschließend: schließlich nutzten neben dort nächtigen Obdachlosen auch Dealer die nicht einsehbare Begrünung als Drogenversteck, und das habe „besorgte Familien“ von der Nutzung des Görli abgeschreckt. Eine Argumentation, wie wir sie eigentlich aus Kreisen der CDU oder aus Springer-Hetzmedien kennen: teils berechtigte Sorgen der Bevölkerung werden dazu genutzt, eine Law-and-Order-Politik durchzupeitschen. Über die Gründe für Obdachlosigkeit und Drogenhandel verlor Panhoff kein Wort, sagte auch nicht, was aus den nicht in Panhoffs Stadtbild passenden Personengruppen werden solle. Denn Konzepte für diese Menschen wären mit Geldausgaben verbunden. Doch das wollen die längst im Kapitalismus angekommenen Ökoliberalen lieber selbst behalten.

Die Grünen haben den Kapitlismus verstanden!

Die Ergebnisse bündnisgrüner Kommunalpolitik unterscheiden sich in nichts von SPD oder CDU. Im Gegenteil sorgt sie nett verpackt dafür, dass so manche Kröte leichter geschluckt wird. Denn es war ebendieser Baustadtrat, der das martialische Polizeiaufgebot anforderte und so die Zwangsräumung der Flüchtlinge aus der ehemaligen Schule in der Ohlauer Straße erst ermöglichte. Auch hier wurde mit Anwohnerangst argumentiert, obwohl grade sie massenhaft gegen den Belagerungszustand durch die Polizei auf der Straße waren. Dass Grüne zuerst die eigene Brieftasche im Auge haben, ist auch für die in den ehemaligen „Sozialwohnungen“ am Kottbusser Tor lebenden Menschen, die sich jahrelang gegen horrend steigende Mieten wehren müssen, nicht neu. Panhoff selbst kann am Görli wohnen, wo die Durchschnittsmiete seit 2010 von knapp 6 auf 11,71 Euro gestiegen ist (Berliner Zeitung, 03.02.2015). Für Panhoffs Klientel ist wahrscheinlich auch Kotti&Co. ein „Angstraum“, der mit Lattebars, Bio-Supermärkte und teure Esoterik-Boutiken zu füllen ist.