Mehr Profite durch mehr Miete?

Rund um die Friedrichshainer Andreasstraße plant die WBM gegen den Widerstand der Anwohner massiven Neubau – Ein Artikel aus dem Spreerebell Oktober

Der aufmerksame Zeitungsleser konnte erfahren: 20 Neubauten will die Wohnungs- baugesellschaft Mitte (WBM) wohl bis 2017 auf Freiflächen in Friedrichshain hochziehen. Wo genau, ist nicht bekannt; klar scheint aber zu sein, dass 15 sogenannte „Punkthochhäuser“ (quadratisch, geringe Grundfläche, viele Geschosse) rund um die Andreasstraße entstehen sollen. Ein Versteckspiel der WBM – alles kam nur per Zufall ans Tageslicht. Es wäre nicht das erste Mal, dass das kommunale Unternehmen aufgrund unlauterer Methoden in die Schlagzeilen gerät.

Wohnungsneubau – in Zeiten von Wohnraummangel und horrenden Mieten klingt das erst einmal erfreulich. Die WBM gibt sich sozial: angeblich sollen sogar 30% der neuen Wohnungen für 6,50 €/m² vermietet werden. Allerdings mit finanzieller Förderung durch den Senat – die Wohnungen sollen zugunsten sprudelnder Mieteinnahmen der WBM bezuschusst werden. Und es sind die Wohnungen in den unteren Geschossen, die durch die dichte Bebauung dunkel und unattraktiv ausfallen werden. Die hellen, schönen Wohnungen sollen dagegen ab 12 €/m² aufwärts kosten und „sich am Markt orientieren“, wie die WBM das nennt. Sie wären dann nur etwas für Leute mit dicken Brieftaschen.

Auch für die jetzigen Bewohner bedeutet die Extrem-Bebauung krasse Einschnitte in die bisherige Wohnqualität. Noch sind die Mieten im Andreaskiez relativ moderat, denn trotz der zentralen Lage gilt Wohnen in DDR-Neubausiedlungen als unattraktiv. Wurde das Konzept sozialistischen Wohnens durch die „Wende“ 1989 sowieso schon verunmöglicht, führt die geplante enge Bebauung nicht nur zu weniger Licht in den Wohnungen. Die vorhandene Infrastruktur (Einkaufsmöglichkeiten, Kitas und Schulen, Park- und Spielplätze, Grünflächen) droht zu bersten. Zudem würden die geplanten Neubauten zu einer Anhebung der örtlichen Vergleichsmiete führen, was sich entsprechend im Berliner Mietspiegel niederschlüge, der als gesetzliche Richtlinie für Mietobergrenzen gilt. Beträchtliche Mieterhöhungen durch die WBM könnten folgen. Kein Wunder also, dass die Vertreter der Anwohner die WBM abblitzen ließen.

Wohnungspolitik im Sinne der Menschen muss eine politische Deckelung der Mieten beinhalten. Kapital ist genug da, wie die Gewinne der Unternehmen und die steigenden Milliardärszahlen in der BRD belegen. Aber im Kapitalismus wird vom ersten Maurerkellenschlag an bis hin zur Instandhaltung profitorientiert gewirtschaftet. Auch „gemeinnützige“ und kommunale Wohnungsunternehmen wie die WBM folgen den Senatsvorgaben und wirtschaften kapitalistisch. Sie vermieten und verkaufen Wohnungen „rentabel“, um Gewinn zu erzielen. Da ist die Situation der Mieter egal. Unter den Rahmenbedingungen des Marktes geht es niemals darum, die Mieten möglichst gering zu halten.