Immobilienkonzern statt Kreuzberger Mischung

Aus dem aktuellen Mieterecho der BerlinerMieterGemeinschaft

Akelius richtet seine Deutschlandzentrale am Oranienplatz ein und strukturiert das gekaufte Haus um

Von Ralf Zimmer

Für Florian Schmidt (Bündnis90/Die Grünen), Baustadtrat von Friedrichshain-Kreuzberg, ist es eine „Katastrophe“: Akelius, laut Selbstdarstellung die größte börsennotierte Immobiliengesellschaft Schwedens, hat für die Einrichtung ihrer neuen Deutschlandzentrale einen klassischen Kreuzberger Gewerbehof gekauft und gestaltet diesen um. Zunächst kündigte die Firma den Gewerbetreibenden und Ateliers im Hof. Dann begann sie mit Erfolg, Druck auf die Wohnungen im Vorderhaus auszuüben.                                    

„Akelius hat ein Stück Kreuzberger Mischung zerstört“, fasst Schmidt zusammen. „Diese Hinterhöfe mit wohnortnahen Arbeitsplätzen in verschiedenen Gewerben sind genau das, was wir erhalten wollen.“ Der Baustadtrat spricht von der Adresse Erkelenzdamm 11-13, fast direkt am Oranienplatz. Dieses Gebäude wurde 2014 von Akelius gekauft und rasch teilweise entmietet. Im selben Jahr wurde Schmidt, der im Herbst 2016 Bezirksstadtrat wurde, Atelierbeauftragter des Senats. Sofort hatte er mit dem Fall zu tun, erinnert er sich.

In dem Gebäude seien damals rund 50 Personen von Kündigungen betroffen gewesen. Sie betrieben beispielsweise künstlerische Ateliers und Werkstätten oder eine Druckerei. Schmidt erreichte – unter anderem durch eine Protestaktion auf dem Oranienplatz – eine Zahlung von Akelius in Höhe von 50.000 Euro. Das Geld sollte den Gekündigten eine Perspektive an anderen Orten eröffnen. Ein Teil sei für die Umzüge abgerufen worden, der Rest warte noch auf eine sinnvolle Verwendung, erklärt Schmidt. Für die neuen Ateliers sei ein Friedhofsgrundstück an der Lilienthalstraße an der Grenze von Neukölln und Kreuzberg angepeilt. Schmidt hält Akelius diese freiwillige Zahlung zugute, meint aber: „So eine Firma gehört an den Potsdamer Platz oder ins Anschutz-Quartier in Friedrichshain.“

Knapp 250 Arbeitsplätze soll die neue Deutschlandzentrale umfassen, erklärt ein Akelius-Sprecher gegenüber dem MieterEcho. Andere Berliner Standorte würden damit zusammengefasst. Der Einzug soll im Spätsommer erfolgen.

Schlechter Ruf                      

Wer dann das Vorderhaus bezieht, sagt Akelius nicht. Dort gibt es ein halbes Dutzend Wohnungen, von denen vier bewohnt waren. Heute lebt da nur noch Imeke de Weldige. Sie berichtet, dass die anderen Mietparteien unter ihr unbekannten Umständen ausgezogen sind, gegen eine davon habe Akelius allerdings geklagt, was mit einem gerichtlichen Vergleich geendet habe. De Weldige soll ebenfalls gehen. Laut Akelius, so die Mieterin, passe ihre Wohnnutzung „nicht ins Sicherheitskonzept“.

Die Fassade des Hauses wird umfangreich renoviert. Anfangs sei Akelius kooperativ gewesen, sagt de Weldige, aber seit Ende 2016 würden baustellenbedingte Beeinträchtigungen „nicht oder nur sehr spät beseitigt“.

Ähnliche Beschwerden wurden bereits 2013 aus Hamburg bekannt. Akelius kaufte sich in den letzten Jahren verstärkt in den deutschen Markt ein, gerade auch in Berlin (allein 2014 rund 2.000 Wohnungen), und hat sich mittlerweile mit hohen Mieten und schlechter Betreuung einen Namen gemacht. In Berlin erfuhr die Firma 2014 mediale Aufmerksamkeit, weil sie ein – früher kommunales – Wohnhaus für alte Menschen am Moabiter Hansa-Ufer gekauft hatte und es schicksanieren wollte.

In der Kreuzberger Reichenberger Straße 52 schickte Akelius bald nach dem Hauskauf 2014 zwei Mietparteien haltlose Kündigungen wegen vermeintlicher Fehlbeträge auf dem Mietkonto. 2015 erhielten im selben Haus mehrere Haushalte Mieterhöhungsverlangen, die angeblich vom Mietspiegel gedeckt waren, was sich aber in der Beratungsstelle der Berliner MieterGemeinschaft als falsch herausstellte. Akelius konnte die Mieterhöhungen daher nicht durchsetzen.                   

Akelius besitzt laut Selbstdarstellung 50.000 Wohnungen in sechs Ländern, vor allem „in attraktiven Städten mit starkem Wachstum und Modernisierungspotenzial“, etwa Berlin, London, Paris, Stockholm und New York. Das Unternehmen gehört zu 90% der gleichnamigen wohltätigen Stiftung, die nach eigener Aussage die weltweit größte Spenderin für SOS-Kinderdörfer ist.

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