Antifa – Gedenken

Alfred Kowalke (Boxhagener Str. 51)
Alfred Kowalke wurde am 11. April 1907 in Rummelsburg bei Berlin geboren. Der Schulfreund Werner Seelenbinders wuchs in einer Arbeiterfamilie auf und machte eine Lehre zum Tischler. Er arbeitete in Berlin, schloss sich 1921 dem KJVD an und trat 1925 der KPD bei. Ab 1931 gehörte er dem illegalen Apparat des ZK der KPD an. Hier war er für Waffen- und Munitionsbeschaffung verantwortlich und reiste Ende 1932 zu einer militärischen Ausbildung nach Moskau.
Im Mai 1933, anderen Angaben zufolge erst im Mai 1935, kehrte Kowalke zurück und schloss sich in Berlin dem antifaschistischen Widerstand an. Die Nazis wollten ihn verhaften, so dass er im November desselben Jahres schon wieder ins Ausland emigrieren musste. Er war dann in der Auslandsleitung der KPD tätig. Im Auftrag seiner Partei arbeitete er in der Prager Abschnittsleitung, die den kommunistischen Widerstand in Mitteldeutschland organisierte.
1937 wechselte Kowalke zur Abschnittsleitung West nach Amsterdam. Als Instrukteur des ZK der KPD überschritt er mehrmals illegal die deutsch-niederländische Grenze und war in Bremen, Dortmund und im Aachener Raum tätig. Er konnte dort Informationen über die Lebenswirklichkeit im nationalsozialistischen Deutschland sammeln und an die Leitung übermitteln.
Kowalke gehörte zur Landesleitung der Berliner Widerstandsorganisation. Zunächst bei Bekannten untergetaucht, kam er dann durch Genossen zu Werner Seelenbinder. Er lebte unter dem Decknamen Walter und wurde bei dem Arbeitersportler Hans Zoschke, einem Fußballer untergebracht, Werner trat seine Schwerarbeiterzulage an ihn ab. Auf Weisung der KPD-Auslandsleitung sollte Kowalke u.a. Kontakte zu Sozialdemokraten und ehemaligen Gewerkschaftern ausloten. Seine Hauptaufgabe bestand in der reichsweiten Vernetzung der verschiedenen Widerstandsgruppen. Dazu musste er Material, Schulungsschriften und marxistische Literatur sowie Informationen über die internationale Lage weiterleiten. Er reiste also viel umher und leitete Direktiven zur Organisierung des illegalen Kampfes weiter. Es gelang ihm, Postanlaufstellen, Quartiere und Arbeitsräume zu beschaffen sowie die Verbindung zu weiteren illegalen Gruppen herzustellen. So bspw. zur Gruppe jüdischer Studenten um Herbert Baum, die ein Jahr später eine große Hetzausstellung der Faschisten gegen die Sowjetunion im Berliner Zeughaus in Brand steckte und völlig vernichtete. Er schrieb auch für mehrere illegale Blätter.
Am 2. Februar 1942 – nach anderen Angaben 1943 – wurde Kowalke in Berlin verhaftet, am 5. November 1943 verurteilte ihn der „Volksgerichtshof“ zum Tode. Das Urteil wurde am 6. März 1944 im Zuchthaus Brandenburg-Görden vollstreckt.

Seelenbinder, Werner (Glatzer Str. 6):
Werner Seelenbinder wurde am 02. August 1904 in Stettin geboren. Seelenbinder war ein berühmter Arbeitersportler, Ringer (mehrmaliger Deutscher Meister, Olympiateilnehmer 1936) und Kommunist.
Die Familie kam 1909 nach Berlin und bezog eine Wohnung in Neukölln. Werner Seelenbinder nahm nach dem Besuch der Volksschule eine Tätigkeit als Transportarbeiter in der AEG-Fabrik Treptow auf. Viele Jahre litt er unter Arbeitslosigkeit, und er absolvierte nie eine Ausbildung zum Facharbeiter. Dafür trat einem Arbeitersportclub bei und wurde Ringer. Nebenbei studierte Seelenbinder die Schriften von Karl Marx und Lenin und wurde Kommunist. Im Jahr 1928 gewann Seelenbinder bei der Spartakiade in Moskau als einziger deutscher Arbeitersportler einen Wettbewerb. Nach der Rückkehr trat er in die KPD ein und arbeitete hier an der Herstellung von Informationsmaterialien, auch von Flugblättern. Er engagierte sich auch in der Roten Hilfe.
Werner Seelenbinder wurde 1933 von der KPD-Organisation seines Berliner Heimatbezirks beauftragt, sich sportlich für internationale Wettkämpfe zu qualifizieren und die dadurch möglichen Auslandskontakte für die kommunistische Untergrundarbeit zu nutzen. Nach der Machtübernahme der Nazis und der Zerschlagung der Arbeitersportvereine 1933 war er Mitglied der reichsweiten Kampfgemeinschaft Rote Sporteinheit, die vor allem aufgrund von lange bestehenden Kontakten unter häufig parteilosen proletarischen Sportkollegen im Untergrund weiter existieren konnte. Sie leistete antifaschistische Propaganda. 1933 gewann er den ersten von insgesamt sechs Titeln als Deutscher Meister im Ringen des Halbschwergewichts und verweigerte bei der Siegerehrung den Hitlergruß. Daraufhin wurde er von der Gestapo verhaftet und eine Zeit lang eingesperrt. Anschließend bekam er ein Jahr Wettbewerbssperre und wurde aus der Sportvereinigung Ost ausgeschlossen. Bei der Olympiade 1936, als Propagandaveranstaltung der Nazis missbraucht, durfte er wieder antreten. Zu diesem Anlass legten die antifaschistischen Sportler um Seelenbinder Informationen über die tatsächliche Situation im Faschismus in Programmhefte oder informierten ausländische Athleten. Ursprünglich wollte Seelenbinder als Zeichen des Protests bei der Siegerehrung den erwarteten Hitlergruß abermals verweigern und einen antifaschistischen Appell an die internationalen Gäste richten. Allerdings ging der Plan nicht auf. Nach zwei Niederlagen belegte Seelenbinder jedoch nur Platz 4 im olympischen Wettkampf.
Im Jahr 1938 bekam er Kontakt zur Berliner Untergrundleitung der KPD. 1937 und 1938 wurde er bei den Ringer-Europameisterschaften jeweils Dritter in seiner Gewichtsklasse und nutzte seine Sportreisen zum Austausch von Informations- und Propagandamaterial, obwohl er ständig unter Beobachtung der Gestapo stand. 1939 wurde Seelenbinder aus dem Betrieb AEG ausgeschlossen und nach Berlin- Marienfelde in einen Rüstungsbetrieb zwangsverpflichtet. Dort gelang es ihm, eine illegale Widerstandszelle zu organisieren, in der an der Seite deutscher Kommunisten auch polnische Zwangsarbeiter mitwirkten. In jener Zeit intensivierte Seelenbinder seinen Kontakt zu den Mitgliedern der kommunistischen Widerstandsgruppe um Alfred Kowalke. Als die Gruppe zerschlagen wurde, nahm die Gestapo am 4. Februar 1942 auch Seelenbinder fest. Nach über zwei Jahren Haft in verschiedenen Konzentrationslagern und Zuchthäusern wurde er zum Tode verurteilt und am 24. Oktober 1944 im Zuchthaus Brandenburg enthauptet.
Unter diesem Datum ist Seelenbinders folgender Abschiedsbrief überliefert:
„Die Stunde des Abschieds ist nun für mich gekommen. Ich habe in der Zeit meiner Haft wohl alles durchgemacht, was ein Mensch so durchmachen kann. Krankheit und körperliche und seelische Qualen, nichts ist mir erspart geblieben. Ich hätte so gern gemeinsam mit Euch, mit meinen Freunden und Sportkameraden, die Köstlichkeiten und Annehmlichkeiten, die das Leben nach dem Kriege zu bieten hat und die ich jetzt doppelt zu schätzen weiß, erlebt. Es waren schöne Stunden, die ich mit Euch verbrachte. Das Schicksal hat es nun leider nach furchtbarer Leidenszeit anders über mich bestimmt. Ich weiß aber, daß ich in Euren Herzen und dem vieler Sportkameraden einen Platz gefunden habe, den ich immer darin behaupten werde. Dieses Bewußtsein macht mich stolz und stark und wird mich in der letzten Stunde nicht schwächer finden.“

Karl Kunger (Krossener Str. 27)
Karl Kunger wurde am 2. Februar 1901 geboren. Schon als Jugendlicher schloss sich Kunger der kommunistischen Bewegung an. Nach dem Besuch der Volksschule war er als Hilfsarbeiter in einem Lichtenberger Betrieb tätig. Er setzte sich für die Unterstützung politischer Gefangener und streikender Arbeiter ein. Von 1935 bis 1938 schleuste Kunger gefährdete Personen über die tschechoslowakische Grenze. Ein 1935 gegen ihn eingeleitetes politisches Strafverfahren wurde aus Mangeln an Beweisen eingestellt. Ab 1937 war er in der AEG-Apparatefabrik in Berlin-Oberschöneweide tätig und leitete dort eine illegale kommunistische Betriebszelle. Der Bezirk Berlin hatte zu dieser Zeit ca. 70 Zellen, die den Kern der antifaschistischen Widerstandsgruppen bildeten. Eine Zelle umfasste jeweils von 5 bis zu 70 Mitglieder. Kunger war in seinem Betrieb dabei; er leitete dort eine antifaschistische Widerstandsgruppe und gleichzeitig die illegale KP-Parteiorganisation. Nach dem Beginn des Zweiten Weltkriegs stellte die Betriebsgruppe Kontakte zu französischen Kriegsgefangenen und ausländischen Zwangsarbeitern her, für die zusätzliche Lebensmittel und Kleidung gesammelt wurden. Auch politische Diskussionen wurden gemeinsam geführt. Kunger war aber auch in Friedrichshain und Lichtenberg tätig. Im September 1942 wurde er verhaftet und in die Haftanstalt Plötzensee verbracht. Sechs Monate später wurde er in einem Schauprozess zum Tode verurteilt und mit dem Fallbeil hingerichtet.
1962 benannte die DDR in Berlin-Treptow die frühere Graetzstraße nach ihm um. Im Nachfolgebetrieb der AEG in Treptow, dem VEB EAW Berlin-Treptow, hatte die Betriebsorganisation der SED ein Traditionskabinett eingerichtet, das die Arbeit der Widerstandsgruppe unter Karl Kunger würdigte. Außerdem erhielt die Betriebsberufsschule dieses Werkes den Ehrennamen Karl Kunger.

Willi Heinze, Fritz Riedel und Kurt Ritter auf dem Friedhof Boxhagener Straße

Fritz Riedel wurde am 1. März 1908 in Berlin geboren. Er war ein technischer Angestellter, gelernter Metallgießer, und wohnte in der Rigaer Str. 64. Riedel war ab 1929 aktives Mitglied der Arbeitersportbewegung im Arbeitersportverein „Fichte“.
1933 schloss er sich der Widerstandsgruppe um Robert Uhrig an. Hier wirkte er als Untergrund-Kurier, unterhielt Verbindungen u.a. nach Essen, Hannover, Hildesheim und München und half beim Aufbau von Widerstandszellen in Süddeutschland. In seiner Wohnung fanden Treffen mit dem illegalen Instrukteur des KPD-Zentralkomitees, Alfred Kowalke, statt. Er kam als Kurier viel rum. Etwa 2 Wochen vor dem Angriff der faschistischen Wehrmacht auf die UdSSR am 22. Juni 1941 informierte Riedel bereits einen tschechoslowakischen Kommunisten darüber, mit Bitte um Weiterleitung an das ZK.
Im Januar 1942 wurde Fritz Riedel zur Wehrmacht eingezogen, am 4. Februar 1942 jedoch von der Gestapo in Rathenow verhaftet und nach zwei Jahren Untersuchungshaft am 6. Juli 1944 vom „Volksgerichtshof“ zum Tode verurteilt. Am 21. August 1944 wurde er im Zuchthaus Brandenburg mit dem Fallbeil enthauptet. Eine Gedenktafel an seinem Wohnhaus in der Rigaer Straße 64 erinnert an ihn.
In Berlin Prenzlauer Berg wurde die Fritz-Riedel-Straße nach ihm benannt, wo er 1933 wohnte. Die Friedrichshainer Oberschule in der Pettenkoferstraße, die seinen Namen trug, wurde nach dem Ende der DDR umbenannt. Fritz Riedel ist außerdem an der Ringmauer der Gedenkstätte der Sozialisten in Berlin-Friedrichsfelde genannt.

Willi Heinze wurde am 29. März 1910 in Berlin geboren. Mit 15 Jahren erfolgte sein Eintritt in die SPD, 1926 wechselte er zur KPD. Heinze wurde Funktionär der Saefkow/Jacob – Organisation, fungierte als Fach- und Kadergruppenleiter. Er leitete die illegalen Gruppen und Zellen im Südostens Berlins bis Grünau und Königs Wusterhausen, konnte das Netz der illegalen Betriebsgruppen erweitern und im Frühjahr 1944 auch Verbindungen zu einer illegalen Gruppe im Schwartzkopf – Konzernbetrieb Wildau bei Berlin aufnehmen. Außerdem bestanden Kontakte zu einer illegalen Organisation im Arbeiterbezirk Wedding, die von Kommunisten geleitet wurde und die unter der Bezeichnung „Nationale Friedensbewegung“ Agitation für die Beendigung des imperialistischen Angriffskrieges betrieb. Nichts anderes war der Zweite Weltkrieg, und es galt, die faschistische Kriegspropaganda zu entlarven. Heinzes Verhaftung erfolgte im August 1944. Am 26. Februar 1945 wurde er kurz vor Ende des Krieges im Zuchthaus Brandenburg hingerichtet. In Berlin erinnert eine Gedenktafel an seinem Wohnhaus in der Wilhelm-Stolze-Straße 32 an ihn.

Kurt Ritter wurde am 31. Dezember 1909 in Ostramondra (Thüringen) geboren. Er kam nach dem 1. Weltkrieg nach Hohenstein-Ernstthal Landkreis Zwickau und arbeitete als Weberlehrling. Hier fand er Anschluss an den Arbeitersportverein sowie an die kommunistischer Arbeiterjugend. Ritter war fortan aktives Mitglied in der Arbeitersportbewegung. Zur Zeit der Weltwirtschaftskrise wurde er arbeitslos und kam nach Berlin. Nach der Machtübertragung an die Nazis schloss er sich einer Widerstandsgruppe an. Zu Beginn des Zweiten Weltkrieges arbeitete Kurt Ritter im Berliner Knorr Bremsenwerk in der Rüstungsindustrie und wirkte mit Werner Seelenbinder und anderen im Untergrund am Widerstand mit. Kurt Ritter organisierte und leitete z.B. politische Schulungen auf vordergründig unpolitischen Gruppenreisen ins tschechische Riesengebirge. 1942 wurde Kurt Ritter von der Gestapo in Berlin-Mariendorf verhaftet und nach zwei Jahren Untersuchungshaft am 6. Juli 1944 vom Volksgerichtshof im selben Verfahren wie Seelenbinder und Riedel zum Tode verurteilt. Am 28. August 1944 wurde er im Zuchthaus Brandenburg hingerichtet. Er hatte in der Matternstraße 16 gewohnt und dort seine Gedenktafel. Die Oberschule in der Scharnweberstraße sowie der Sportplatz in der Gürtelstraße 20-24 wurden nach Kurt Ritter benannt. Letzterer heißt auch heute noch so.

Georg Klinner (Grünberger Str. 63):

Über Georg Klinner ist nahezu nichts bekannt. Wir wissen lediglich, dass er Bügler in einer Schneiderei war. Klinner war parteilos, und wurde aufgrund kritischer Äußerungen gegen das Hitler-Regime inhaftiert. Die Faschisten sperrten ihn ins KZ- Sachsenhausen, wo er 1942 an den Folgen von Misshandlungen starb. Obwohl relativ unbekannt, bekam er 1950 diese Gedenktafel, diese wurde nach 1991 – wohl von den neuen Eigentümern der Immobilie – entfernt. 1996 brachte das Aktive Museum Faschismus und Widerstand in Berlin e.V. gemeinsam mit der Berliner Vereinigung VdN, Bezirk Friedrichshain e.V., eine Ersatztafel aus Holz an, die später durch die jetzige Aluminiumtafel ersetzt wurde.

Georg Lehnig (Kadiner Str. 16):

Georg Lehnig wurde am 15. März 1907 in Berlin Lichtenberg geboren. Er wohnte in der Wönnichstraße 105 in Lichtenberg und arbeitete als Tischler und Mechaniker. Als junger Mann trat er dem Kommunistischen Jugendverband Deutschlands bei, 1927 wurde er Mitglied der KPD. Lehnig hielt sich neun Monate lang in der Sowjetunion auf. Nach der Rückkehr setzte ihn seine Partei als Instrukteur und Kurier in Ostpreußen und Litauen ein. 1933 wurde er in Königsberg verhaftet und in ein Konzentrationslager gebracht. Lehnig musste aus Mangel an Beweisen 1935 freigelassen werden und arbeitete anschließend im Kabelwerk Oberspree, einem Tochterunternehmen der AEG in Oberschöneweide. Er setzte den Widerstand fort, indem er Flugblätter verbreitete. Dazu baute er einen Abziehapparat, auf dem er Flugblätter nicht nur auf deutsch, sondern auch in französischer und russischer Sprache produzierte, die sich an Zwangsarbeiter richteten.
Lehnig gehörte zum Widerstandskreis um Anton Saefkow. Sein Sohn Horst, der noch bis 1991 lebte, desertierte aus der Wehrmacht. Dem von der Gestapo gesuchten Widerstandskämpfer Paul Hinze gewährte Lehnig in seiner Wohnung Unterschlupf. Im April 1944 wurden beide gefasst.
Am 11. Januar 1945 wurde Lehnig zum Tode verurteilt, im Zuchthaus Brandenburg hingerichtet und auf dem Zentralfriedhof Friedrichsfelde beigesetzt.

Paul Hinze:

Paul Hinze wurde am 10. August 1906 in Letschin geboren, wuchs in der brandenburgischen Gemeinde Letschin im Oderbruch auf. Nach seiner Lehre zog er nach Berlin, wo er einen Fleischerladen eröffnete. Bereits vor 1933 wurde Hinze Kommunist und trat in die KPD ein. In Berlin lernte er durch den Sport Werner Seelenbinder kennen und schloss sich einer Widerstandsgruppe an.
Während des Faschismus unterstützte Paul Hinze Mitglieder der KPD-Führung. In seinem Fleischerladen stellte er illegal Vervielfältigungsgeräte und Druckermaschinen auf, die zur Herstellung von antifaschistischen Druckerzeugnissen, z.B. Flugblättern, dienten. Nach der Verhaftung seiner Gruppe war er zur Illegalität gezwungen, wirkte jedoch weiterhin mit Widerstandskämpfern zusammen, so mit der bei Borsig in Tegel aktiven Gruppe Mannhart. Er fand Unterschlupf bei Georg Lehnig, wurde aber im April 1944 mit diesem verhaftet. Nach einem fehlgeschlagenen Selbstmordversuch wurde Paul Hinze im Februar 1945 zum Tode verurteilt. Noch kurz vor Kriegsende wurde er am 20. April 1945 im Alter von 39 Jahren in Brandenburg-Görden hingerichtet.
In seiner Heimatgemeinde Letschin erinnert an seinem letzten Wohnsitz in der Wriezener Straße 9 ein Stolperstein an Paul Hinze. Ein weiterer Stolperstein erinnert in der Berlin-Schöneberger Kolonnenstraße 46 an Hinze, wo sich seine Fleischerei befand.

Heinrich Thieslauk (Warschauer Str. 60):

Heinrich Thieslauk wurde am 23. März 1888 in Königsberg geboren. In Berlin war er Mitglied der KPD, Unterbezirk Friedrichshain, und wirkte mit an der Herstellung der illegalen Parteizeitung Die Rote Fahne. Thieslauk war Vater von vier Kindern, wurde erstmals im Februar 1937 festgenommen und dann erneut im März. Zwei Tage später erhielt seine Frau die Nachricht, ihr Mann habe sich in der Haft das Leben genommen. Der Staat verweigerte der Witwe Emma Thieslauk, die selbst gesundheitliche Schäden aufgrund von Vernehmungen davongetragen hatte, jegliche Sozialunterstützung. Diese musste von Genossen gewährleistet werden.

Franz Stenzer- Denkmal (Revaler Str. / RAW Gelände):

Der am 9. Juni 1900 in Planegg bei München geborene Franz Stenzer war Kommunist und kurz sogar KPD-Reichstagsabgeordneter.
Während des Ersten Weltkriegs leistete er seinen Wehrdienst als Matrose der Kaiserlichen Kriegsmarine, wo er gegen den militärischen Drill aufbegehrte und dafür einen Monat Arrest erhielt. Über seine Aktivitäten in der Münchener Räterepublik wissen wir nichts. Nur, dass er nach dem Krieg im Bahnbetriebswerk I in München arbeitete, wo er 1919 der KPD beitrat. Die Belegschaft wählte ihn in den Betriebsrat.
1924 wurde Stenzer Mitglied der KPD-Bezirksparteiführung in Süd-Bayern, wo er hauptsächlich in der Gewerkschaftsabteilung arbeitete und 1928 auch Gewerkschaftssekretär wurde. In dieser Funktion delegierte man ihn 1929 zu einem Lehrgang an die Internationale Lenin-Schule der Kommunistischen Internationale nach Moskau. Anschließend übernahm Stenzer hohe Funktionen wie die Leitung der gesamten Gewerkschaftsarbeit in Bayern. Stenzer war Stadtrat seiner Partei im Münchner Stadtrat und 1931 Chefredakteur der Neuen Zeitung in München. Die war ursprünglich USPD-nah unter Mitwirkung von Kurt Eisner, dem Ministerpräsident der Räterepublik und wurde dann KPD-Parteizeitung. 1932 wirkte Stenzer in der Roten Gewerkschafts-Internationale in Moskau. In der Reichstagswahl im November 1932 gelangte er aus dem Wahlkreis 26 (Franken) als Abgeordneter der KPD-Fraktion in den Reichstag. Nach 1933 tauchte Stenzer zunächst unter, nahm aber beispielsweise an der illegalen Tagung des ZK der KPD am 7. Februar 1933 im Sporthaus Ziegenhals teil, um anschließend aus dem Untergrund in Süddeutschland die illegale Arbeit weiter zu organisieren. Die Gestapo spürte sein Versteck in München auf; am 30. Mai 1933 verhaftete sie ihn. Nach monatelangen Verhören und Misshandlungen wurde Franz Stenzer am 22. August 1933 im KZ Dachau ermordet. Nach Angaben des SS-Chefs Heinrich Himmler in einem Schreiben an den bayerischen Innenminister Adolf Wagner wurde Stenzer bei einem angeblichen Fluchtversuch von einem SS-Scharführer durch einen Genickschuss getötet.
Stenzer war verheiratet; aus der Ehe gingen drei Töchter hervor. Stenzers Frau wurde seit April 1933 als Geisel festgehalten und einen Tag nach der Beisetzung ihres Mannes freigelassen. Im November 1933 flüchtete sie in das Saargebiet, dann nach Paris und im August 1934 in die Sowjetunion. Im Zuge der internen sogenannten Säuberungen wurde sie 1937 aus der KPD ausgeschlossen und war bis 1938 in der SU inhaftiert. 1946 kehrte sie nach Deutschland zurück, lebte später in der DDR und starb im März 1998 in Berlin. Stenzers Tochter Emmi war ab 1944 mit Markus Wolf, später Chef des DDR-Auslandsnachrichtendiensts, verheiratet.
In der DDR war Stenzer relativ bekannt: u.a. trug Ausbesserungswerk der Deutschen Reichsbahn, das RAW, von 1967 bis zu seiner Stilllegung 1995 den Ehrennamen Franz Stenzer. Aus dieser Zeit stammt der Gedenkstein. In Friedrichshain war auch die Schule in der Niemannstraße nach Franz Stenzer benannt. Am Gebäude gab es ein entsprechendes Porträtrelief. In der Nähe des Reichstags erinnert seit 1992 eine der 96 Gedenktafeln für von den Nazis ermordete Reichstagsabgeordnete an Stenzer. Er ist Namensgeber der Franz-Stenzer-Straße in Pasing und in Berlin-Marzahn.

Rudolf Paetzold (Simon – Dach- Str. 33):

Rudolf Paetzold wurde am 24. November 1919 geboren. Über ihn ist nur bekannt, dass er Mitglied des Arbeitersportvereins Fichte war. Außerdem, dass er im Januar 1942 zum Kriegsdienst in die faschistische Wehrmacht eingezogen wurde und hier versuchte, Soldaten an der Front über die Sinnlosigkeit des Krieges aufzuklären. Dabei wurde er denunziert und von einem Kriegsgericht wegen „Wehrkraftzersetzung“ zum Tode verurteilt.

Karl Pinnow (Kopernikusstr. 19):

Unsere letzte Station erinnert an Karl Pinnow. Er wurde am 20. Februar 1895 in Berlin geboren. Auch Pinnow ist im Prinzip unbekannt. Er war Mitglied der Kommunistischen Partei Deutschlands (KPD) und Mitarbeiter der Roten Fahne. 1934 wurde er wegen Widerstands gegen das NS-Regime zu zweieinhalb Jahren Haft verurteilt. 1941 wurde er erneut von der Gestapo verhaftet und ohne jeglichen Prozess ins Konzentrationslager Dachau überführt. Hier wurde er 1942 ermordet.